KOMMENTAR
Anlagestrategie und Finanzmärkte:
Wie schon im vergangenen Jahr hat Pessimismus die Oberhand in den Finanzmedien und bei den sogenannten Finanzexperten in den Kommentaren zur wirtschaftlichen Entwicklung 2012. Allerdings werden diese geäußerten Befürchtungen immer wieder durch positive Nachrichten konterkariert. Während eine „Fastrezession“ herbeigebetet wird, kletterte der Ifo-Geschäftsklimaindex Ende Dezember 2011 zur Überraschung der Experten um einen Punkt auf 108,3 – im Oktober notierte der Index noch bei 106,5 Punkten. Der Einkaufsmanagerindex stieg im Januar wieder über 50 Punkte. Und auch der ZEW-Index legte im Januar zu.
Die erwartete Winterflaute ist also bisher nicht eingetreten, sondern es haben sich überraschend Wachstumssignale ergeben. Die wirtschaftliche Lage muß allerdings sehr differenziert betrachtet werden. Das gilt noch mehr für die einzelnen Unternehmen. Die Solarbranche liegt trotz eines Spitzenmonats Dezember immer noch am Boden, ähnliches gilt für die Windstromanlagen. Auch Siemens verzeichnete einen Einbruch der Auftragseingänge im letzten Quartal, aber insgesamt ist das Unternehmen gut aufgestellt. Eine andere Enttäuschung war die Gewinnkorrektur der Software AG, die offensichtlich in ihrer Vertriebsstrategie in den USA Fehler gemacht hat. Dafür hat Apple den Gewinn im letzten Quartal fast verdoppelt. Die Zahlen des 4. Quartals 2011 ermutigen überhaupt zu mehr Risiko. Das gilt insbesondere für Amerika, obwohl General Electric, eines der größten Industrieunternehmen in den USA, immer noch nicht in Form kommt. Auch europäische und insbesondere deutsche Unternehmen zeigten im 4. Quartal überwiegend erfreuliche Ergebnisse, die erst jetzt in den Börsenkursen ihren Niederschlag finden. In den ersten 30 Tagen des neuen Jahres haben allein die 30 DAX-Werte im Durchschnitt um rund 10% von 5900 auf 6500 Indexpunkte zugelegt. Der DAX Index durchbrach zuletzt auch die 200-Tage-Durchschnittslinie, was die Börsentechniker als ein ermutigendes Zeichen für einen weiteren Kursanstieg ansehen..
Sehr pointiert und im Grunde genommen positiv äußerte sich Michael Heise, Chefökonom der Allianz, zur Bewältigung der Schuldenkrise. Er ist der Auffassung, daß wir nach Bewältigung der Immobilien- sowie der Finanzkrise und einer heftigen Rezession im Jahr 2009 auch mit der Staatsschuldenkrise fertig würden. Er machte aber auch klar, daß der zins- und kreditgetriebene Finanzboom zwischen 2004 und 2007, den die Regierungen weltweit ohne Gegenmaßnahmen akzeptiert haben, der Hauptgrund für unsere heutige Misere ist. Er ist zuversichtlich, daß die von EZB und den EU-Regierungen nunmehr eingeleiteten Maßnahmen 2012 zu einer Kehrtwende führen werden.
Damit scheint sich die Basis für ein besseres Börsenjahr, als wir es 2011 erlebt haben, herauszubilden. Das führt konsequenterweise zu einer Stärkung der Aktienposition, denn Staatsanleihen von Ländern mit AAA oder AA Rating sind mittlerweile zu teuer und die Anlage in Rohstoffwerten kann sich als sehr volatil erweisen. Die Anlagestrategie muß sehr sorgfältig unter Berücksichtigung der persönlichen Risikobereitschaft austariert werden. Es ist für den privaten Anleger, der zusätzlich eine Altersvorsorge aufbauen will, sinnvoll, zum Jahresanfang eine Bestandsaufnahme des aktuellen Vermögens zu machen. Diese Bestandsaufnahme sollte dann die Grundlage für die aktuelle Anlagestrategie sein. Bei der Bestandsaufnahme werden häufig die Anwartschaften für Renten und Pensionen unberücksichtigt gelassen. Das ist grundlegend verkehrt, insbesondere wenn man kurz vor dem Ruhestand angelangt ist. Hierbei handelt es sich um sichere geldwerte Ansprüche, die relativ einfach zu bewerten sind. Zunächst rechnet man die Ansprüche hoch auf das statistisch voraussichtliche Sterbejahr, um sie dann mit einem Zinssatz von 3-4% abzudiskontieren. Der so ermittelte Betrag wird zu den liquiden Mitteln wie Sparbuchguthaben und Anleihen mit festem Zinssatz und festen Laufzeiten hinzugerechnet. Der nächste größere Vermögenswert ist in der Regel das meist schuldenfreie Eigenheim. Ein weiterer Posten sind Aktien oder andere Substanzwerte wie Rohstoffe. Bei einer Zusammenstellung dieser Werte wird man feststellen, daß die Anlage in Substanzwerten wie Aktien oder Rohstoffen gar nicht so einen großen Anteil am Gesamtvermögen ausmachen. Auch die Risikostruktur erscheint dabei in einem ganz anderen Licht. Folgendes Beispiel mag das verdeutlichen.
Ein Ehepaar hat einen Rentenanspruch von 4000 € pro Monat. Dieser Anspruch hochgerechnet auf die voraussichtliche Lebensdauer und abgezinst mit 3% p.a. soll einen Gegenwert von rund 500.000 € darstellen.
Eigenheim schuldenfrei 300.000 €
Sparbücher etc. 50.000 €
Anleihen 200.000 €
Aktien 200.000 €
Gesamtvermögenswert 1.250.000 €
Prozentual umgerechnet machen die Aktien 16% aus, das Eigenheim schon über 24% und die liquiden Mittel, Anleihen und Rentenansprüche rund 60%. Das erscheint auch für einen sehr risikoscheuen Anleger eine gute Aufteilung zu sein. Wichtig ist nur, daß man die Vermögensaufteilung zu jedem Jahreswechsel konkret überwacht und seine private Ausgabenpolitik so steuert, daß man mit dem Rentenanspruch, unterstützt durch die Erträge aus den Vermögenswerten und deren zusätzlichen Verzehr, seinen Lebensunterhalt finanzieren kann.
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